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Mit „Das Buch.“ ist in diesem Jahr eine Übersetzung des Neuen Testaments
erschienen, die Lesbarkeit und Grundtextnähe miteinander vereinen will und
auch für Bibeleinsteiger lesbar sein soll. Ein Interview mit dem Übersetzer
Dr. Roland Werner.
Es gibt schon eine ganze Menge Übersetzungen der Bibel ins Deutsche. Warum haben Sie sich an eine weitere Übersetzung gewagt? Was war der Anstoß dafür?
Der letzte Anstoß war eigentlich ein sehr zufälliges Gespräch mit einem australischen Freund, einem jungen anglikanischen Pfarrer.Wir unterhielten uns über die englische Bibelübersetzung „The Message“, die im englischsprachigen Raum zurzeit sehr viel gelesen wird. Er fragte mich, ob es etwas Ähnliches auf Deutsch gäbe. Ein Wort ergab das andere, und plötzlich sagte er: „Mach doch solch eine Übersetzung!“ In der gleichen Nacht, noch nach Mitternacht, fing ich an, das Matthäusevangelium zu übersetzen. Jetzt ist die Übersetzung doch sehr anders geworden als „The Message“, meiner Meinung nach näher am griechischen Grundtext. Ichmöchte langjährigen Bibellesern einen neuen, frischen Zugang ermöglichen, auch mit überraschenden Momenten. Leuten, die gar keine christliche oder kirchliche Vorerfahrung haben, möchte ich eine für sie lesbare Version des Neuen Testaments anbieten. Deshalb ist „Das Buch.“ auch mehr wie ein normales Buch von der äußeren Erscheinung her. Es gibt keine Versangaben im Text, stattdessen ein paar andere Hilfen, die das Lesen erleichtern sollen.
Welche neuen Erkenntnisse haben Sie bei der Übersetzungsarbeit für sich selbst gewonnen?
Selbst wenn kein anderer je „Das Buch.“ lesen sollte, war der Gewinn für mich unwahrscheinlich groß. Ich habe mich ganz intensiv mit dem griechischen Grundtext beschäftigt und mit den anderen im Komitee, das mich bei der Übersetzung unterstützt hat, viele Detaildiskussionen über bestimmte Stellen geführt. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis ist für mich, wie sehr die Verfasser der einzelnen Bücher des Neuen Testaments von der Wahrheit der Ereignisse überzeugt waren, zum Beispiel von den Wundern, die Jesus bewirkte, und von der Auferstehung. Das zeigt
sich unter anderem in dem sehr nüchternen Stil, in dem sie davon berichten.
Wird es auch eine Übersetzung des Alten Testaments von Ihnen geben?
Ja, das ist geplant, für 2012 oder 2013. Das wird noch einmal ein dicker Brocken, aber sicher auch für mich von großem Wert.
Was ist das Besondere an Ihrer Übersetzung? Könnten Sie das an einem besonders schwierigen oder bekannten Bibelvers erläutern?
Unser Problem ist, dass wir entweder ganz wenig von der Bibel wissen oder schon „zu viel“. Damit meine ich zu viel angebliches, ungenaues Wissen in uns tragen, das uns aber den Blick auf das verstellt, was wirklich da steht. In 1. Korinther 15 zählt Paulus die Zeugen der Auferstehung auf. Ich übersetze: „Danach erschien er deutlich fünfhundert Schwestern und Brüdern gleichzeitig.“ Die meisten Übersetzungen schreiben hier (sinngemäß): „Danach erschien er fünfhundert Brüdern gleichzeitig.“ DasWort „adelphoi“ heißt zwar zunächst einmal Brüder. Es kann aber sehr wohl auch "Geschwister“ bedeuten, wie übrigens in den Briefanreden auch. Denn es ist ja nicht denkbar, dass Paulus wollte, dass nur die „Brüder“ seine Briefe vorgelesen bekommen sollten, zumal er in den Briefen dann auch „Schwestern“ bewusst anspricht. Also muss in den Briefanfängen „adelphoi“, um wirklich grundtextgemäß zu sein, als „Geschwister“ oder „Schwestern und Brüder“ übersetzt werden.
Und wenn Jesus doch 500 Brüdern erschienen ist?
Das ist zwar theoretisch möglich, aber ist das auch logisch und denkbar? Wo gab es solche reinenMännerversammlungen? Die Gruppe der Jesusnachfolger, das waren die Leute, die zum Jüngerkreis von Jesus gehörten.
Frauen waren natürlich dabei, wie Luk 8,1ff; Apg 2,1ff und viele andere Stellen im Neuen Testament zeigen. Jesus ist bewusst den Frauen zuerst als Auferstandener erschienen (Joh 20, Mt 28 usw.). Es ist also eher unwahrscheinlich, dass er hier peinlich darauf geachtet hätte, dass ja keine Frau dabei ist.
Sollte man immer mehrere Übersetzungen lesen? Was empfehlen Sie Hauskreisen, die nicht den Urtext lesen können?
Im Hauskreis ist es immer gut, mehrere Übersetzungen zu haben. Luther als „Klassiker“ gehört dazu. Die revidierte Elberfelder ist sehr hilfreich, weil sie oft nahe am griechischen „Wortlaut“ ist. Aber damit ist der Sinn für ungeübte Leser nicht immer erfassbar, weil der eben – siehe Beispiel „Brüder“ versus „Schwestern und Brüder/Geschwister“ – nicht nur aus dem einzelnen Wort entnommen werden kann, sondern aus dem Gesamtzusammenhang des Neuen Testaments. Und dann ist manchmal die „weniger wörtliche“ Übersetzung die „sinngenauere“. Also: Immer mehrere Übersetzungen haben! Und wenn Hauskreise auch „Das Buch.“ für sich entdecken, freut mich das natürlich. Doch Achtung: Keine einzige Übersetzung ist „allein richtig“. Jede hat Stärken und Schwächen und spiegelt auch theologische Überzeugungen und Vorentscheidungen der Übersetzer wieder. Und alle Menschen sind fehlbar. Gerade deshalb ist es gut, mit mehreren Übersetzungen zu arbeiten.
Kirchengeschichtlich gesehen ist es ja ein recht junges Phänomen, dass sich jeder seine eigene Bibel leisten kann. Welche Vorteile sehen Sie darin, Bibeltexte in Gemeinschaft zu lesen?
Das stimmt. Es ist ein großes Vorrecht, dass sich heute jeder eine Bibel leisten kann. Dennoch ist das gemeinsame Lesen und Austauschen unbedingt wichtig, weil wir alle die Brille unserer ganz persönlichen, oft eingeschränkten oder eingefärbten Erfahrung aufhaben, und gerade durch die anderen neue Aspekte für uns erschlossen werden.
Die Fragen stellte Christof Klenk.
Wort – Leben – Licht
001 Zuerst das Wort.
Ganz am Anfang war es.
Das Wort. Auf Gott ausgerichtet war es.
Gott selbst war das Wort.
Am Anfang war es da, zu Gott hingewandt.
Durch ihn, der das Wort war, entstand das All,
und nichts in der ganzen Schöpfung entstand ohne ihn.
In ihm – das Leben.
Und das Leben war das Licht der Menschheit.
Ja, in der Dunkelheit schien es auf, das Licht.
Die Dunkelheit konnte es nicht überwältigen.
Ein Mensch stand auf, ein Gesandter von Gott.
Johannes war sein Name.
Er kam, um mit seinem ganzen Leben
auf das Licht hinzuweisen.
Dadurch sollten sich alle Menschen Gott anvertrauen.
Er selber war nicht das Licht.
Doch er kam, um auf das Licht hinzuweisen.
Denn das war es: das wirkliche, wahre Licht,
das auf jeden Menschen
fällt, der in die Welt kommt.
Es war in der Welt, ja, die Welt entstand durch ihn,
und doch hat die Welt ihn nicht erkannt.
Die ersten zehn Verse des Johannes-Evangeliums
in der Übersetzung von Roland Werner.
